Reisebericht Island: Zu Besuch im Land der Wasserfälle


Dank des kostenlosen Stopover-Programms von Icelandair konnten wir auf dem Rückweg aus Toronto im Oktober 2016 noch einen einwöchigen Island-Aufenthalt einlegen. Ein paar Eindrücke des sympathischen Inselstaates habe ich nachfolgend in Bild- und Textform festgehalten.

Reisevorbereitung

Üblicherweise bin ich ein großer Freund der höchst spontanen Reiseplanung, was in Metropolen wie New York auch stets einwandfrei funktioniert.  Eine Mietwagen-Tour auf der dünnbesiedelten Vulkaninsel ist dann aber doch ein anderes Kaliber, sodass ich wenige Tage nach der Buchung damit begann, erste Informationen für die Reise zusammenzutragen.

Dabei halfen natürlich die üblichen Bekannten wie Google, Twitter und verschiedene Bilderboards, vor allem aber die Seite Locationscout.net. Dort trägt die noch recht kleine Community interessante Fotospots aus aller Welt zusammen und macht dabei auch vor kaum besuchten Orten nicht halt. Ansonsten gilt nämlich größtenteils: Wer nach „Geheimtipp“ googelt, findet viel, aber keine Geheimtipps. Eine weitere Anlaufstelle war zur dann das deutschsprachige Island-Forum mit wichtigen allgemeinen Informationen und konkreteren Tipps, auch zu zu den jeweiligen Ausflugszielen.

Die Recherche resultierte schließlich in obiger Google-My-Maps-Karte mit einem Großteil der abzuklappernden Points of Interest an der Südküste. Enthalten sind die meisten typischen Touristen-Spots (ausgenommen der blauen Lagune) sowie eine kleine Auswahl weniger besuchter Ziele. Eine konkrete Einteilung in Tagestouren nahmen wir nicht vor, was sich später als gute Wahl herausstellte.

An- und Abreise mit Icelandair

Über den Economy-Flug mit Icelandair berichtete ich bereits an anderer Stelle, daher hier nur eine kurze Zusammenfassung: Die Flotte besteht fast ausschließlich aus mehr oder weniger modernen Boeing 757, ein hochauflösender Bildschirm zur Bordunterhaltung steht auch in der Economy an jedem Sitz zur Verfügung. Darüber ist unter anderem der Aufruf einer Live-Flugkarte möglich, Filme und Serien stehen mit englischer Sprachausgabe zur Verfügung. Auch gibt es eine kleine Auswahl an Informationsvideos über Heimatland der Airline und Reiseziele.

Im Flugpreis inbegriffen sind auf Flügen nach Nordamerika zwei Gepäckstücke je 23 kg, alkoholfreie Getränke und Sitzplatzreservierung direkt nach der Buchung. Der Sitzabstand beträgt 81 Zentimeter und liegt damit im Branchendurchschnitt, bezüglich der Polsterung gibt es wenig zu meckern. Auch installiert man in einigen Fliegern eine besondere LED-Beleuchtung, welche auf Aurora-Modus geschaltet werden kann und dann die für künstliche Nordlichter sorgt.

Der Flughafen Kevlavik wirkt durch die Expansion von Icelandair und WOW Air deutlich überlastet. Warteschlangen vor den Toiletten ziehen sich einmal quer durchs Terminal und für das Boarding aller Passagiere der 757 stand nur eine einzige Mitarbeiterin zur Verfügung. Insgesamt bietet Icelandair eine gute Flugerfahrung, die nur durch die Limitierungen am Boden etwas getrübt wird.

Landschaft: Liebe auf den ersten Blick

Aus dem Flugzeug sind Berge, Strand und Gletschersee Jökulsárlón gut erkennbar.

Bereits aus der Reiseflughöhe macht Island durch seine einzigartige Landschaft auf sich aufmerksam. Gewaltigen weiße Eismassen des Gletschers Vatnajökull erstrecken sich über tausende von Quadratkilometern und münden ins blaue Wasser des Jökulsárlón mit angrenzendem schwarzen Strand. Zwischen kleinen Siedlungen klaffen tiefe Krater die auf den vulkanischen Ursprung der Insel hinweisen und die Moosfelder können teilweise schon aus der Luft erahnt werden.

Das farbenfrohe Bild der Landschaft setzte sich im Anschluss an die Landung, vor allem aber nach Verlassen des Flughafengeländes dann fort. Während das Gras bereits auf den braun-rötlichen Herbstmodus umgeschaltet hat, sorgen dunkle Steine,  immergrünes Moos und gelbe Blätter für ungewohnte Kontraste – und Berge kennt man bei uns in Norddeutschland ja sowieso nicht.

Aber es sind keinesfalls nur die Farben, die nachhaltig beeindrucken. Auch die Geographie hat jede Menge Highlights wie Erdspalten, Wasserfälle, Geysire und Gesteinsformationen auf Lager, die dafür sorgen, dass man spätestens alle fünf Minuten einen Fotostopp einlegen möchte. Da das praktisch nicht immer die beste Wahl ist, bleibt es meist dann doch beim stillen Genießen jedes einzelnen Fahrkilometers zwischen den Touristenattraktionen.

Infrastruktur und Zivilisation

Island ist das europäische Land mit der geringsten Bevölkerungsdichte. Auf einem Quadratkilometer wohnen durchschnittlich gerade einmal drei Menschen (und fünf Schafe), der Großteil der Insel ist unbewohnbar.  So erinnert selbst die Fahrt auf dem südlichen Teil der Ringstraße eher an die Mecklenburger Einöde, viele bei Google Maps eingezeichneten Orte bestehen maximal aus ein paar Bauernhöfen. Zumindest an der Ringstraße findet sich trotzdem die eine oder andere Tankstelle wieder, meist mit angeschlossenem Restaurant. Richtige Supermärkte sind hingegen genau so rar wie größere Orte und ein täglicher Besuch dort wäre mit recht langen Fahrtzeiten verbunden.

Station der einheimischen Mietwagenfirma „Geysir“ am Airport Keflavik

Dafür bieten die Supermärkte eine gute Auswahl an Produkten (vergleichbar mit einem kleineren Edeka-Markt) und waren meist mit einer netten Backtheke ausgestattet. Dicker Pluspunkt im Lebensmittelregal: Die Anzahl der verfügbaren Produkte haut einen zwar kaum vom Hocker, das Sortiment weiß jedoch durch seine Kombination europäischer und amerikanischer Artikel zu punkten. Erdnussbuttertörtchen von Reese’s stehen direkt neben Haribo-Gummibären im Regal und Skyr fehlt natürlich sowieso in keinem noch so kleinen Laden. Letzteres ist mit den deutschen Produkten übrigens nicht zu vergleichen und selbst an Bord von Icelandair erhältlich.

Für einen Liter Benzin an den Tankstellen werden etwa 1,60 Euro fällig, womit man zumindest unter dem Niveau von Norwegen liegt. Auch sind Tankstellen durch das häufig angebotene Gratis-WLAN attraktiv.  Freundlicherweise gewährt O2 die Vorteile der EU-Auslands-Flat auch auf Island, sodass ich 1 GB an Daten im Siminn-Netz kostenlos versurfen durfte. Die LTE-Abdeckung war entlang der Ringstraße meist recht gut, abseits davon war vielerorts noch UMTS verfügbar.

Die Ringstraße („Hringvegur“) führt einmal quer über die Insel und ist bis auf zwei Abschnitte im Osten durchgängig asphaltiert. Bis auf die stärker befahrerene Gegend um Reykjavik ist je Richtung ein Fahrstreifen vorhanden, viele längere Brücken kommen noch einspurig daher. Je nach Länge sind dort dann bis zu fünf Ausweichbuchten auf der Brücke selbst vorhanden, welche eine Begegnung zwischen kleineren Fahrzeigen ermöglichen.

Auch andere gut ausgebaute Asphaltpisten existieren, jedoch nicht überall. Auf dem Rückweg vom Haifoss planten wir ursprünglich eine Fahrt über die Straße 26 ein, die sich später als eine kilometerlange Schotterstraße herausstellte. Mit unserem Kleinwagen traten wir trotz Kies-Versicherung lieber den Rückweg an, ähnlich lief es auf der Fahrt zum Geothermalgebiet „Seltún“. Plötzlich war Schluss mit dem Asphalt, sodass wir uns für einen großen Umweg entschieden. Ansonsten waren nur kurze Abschnitte auf unbefestigten Straßen zurückzulegen, dafür aber mit teils tiefen, regengefluteten Schlaglöchern.

In Deutschland undenkbar: Ich musste während des gesamten Aufenthaltes keine einzige Bargeldabhebung vornehmen. Jeder Supermarkt akzeptierte die kontaktlose Zahlung mit der VISA-Card, selbst Parkscheine und Toilettengebühr mitten im Nirgendwo können (teilweise ausschließlich) per Kreditkarte beglichen werden. Dennoch sind Geldautomaten an vielen Touri-Zielen vorhanden und ermöglichen die Abhebung Isländischer Kronen.

Eine Sprachbarriere existierte nicht. Jeder Einheimische – selbst gefühlt 14-Jährige Mitarbeiter im Supermarkt – mit dem wir in Kontakt standen, konnte fließend Englisch sprechen. An einer Tankstelle trafen wir sogar auf einen ausgewanderten Deutschen, der im Geschäft ausschließlich auf Englisch kommuniziert.

Unterkünfte

Da Camping beim isländischen Herbstwetter nur noch für besonders Hartgesottene in Frage kommt, blieben mit AirBnB und den üblichen Hotelbuchungen zwei Optionen zur Übernachtung. Recht früh entschieden wir uns für eine Mietwagen-Tour mit (beinahe) täglich wechselnden Unterkünften. Die (offizielle) Hauptsaison ist im Oktober bereits vorüber, sodass wir von langfristigen Buchungen absahen. Stattdessen wurden nur die beiden Übernachtungen am Airport Keflavik einige Tage vor Reiseantritt gebucht, die restlichen Buchungen erfolgten spontan, meist am Vorabend, teilweise auch erst am Morgen des selben Tages.

Über Booking.com und Portale mit attraktiven Gutscheincodes war die Verfügbarkeitg von Doppelzimmern an der Südküste der Insel kein Problem. Meist blieben mindestens zwei bis drei Unterkünfte in der engeren Auswahl des angedachten Zwischenstopps. In größeren Orten wie Selfoss fällt die Auswahl an Hotels vergleichsweise groß aus, abseits davon existieren vor allem mehr oder wenige rustikale Gasthäuser als Teil verschiedener Bauernhöfe und das eine oder andere moderne Hotel.

Insgesamt bezahlten wir für jedes Doppelzimmer mit eigenem Bad um die 100 Euro je Nacht und waren mit den Zimmern jeweils sehr zufrieden. Auch das jeweils inkludierte Frühstücksbuffet ließ selten Anlass zum Meckern, zumal sich eine Verpflegung im Supermarkt eben doch als recht problematisch erweisen würde. Teilweise gab es sogar heiße Waffeln oder Rührei und Swiss Miss Marshmallow Flavour gehörte sowieso allerorts zur Standardausstattung. 🙂 WLAN-Zugriff war jeweils inkludiert und funktionierte von sturmbedingten Ausfällen abgesehen einwandfrei.

Ohne auf jedes Detail eingehen zu wollen, hier eine kleine Aufstellung der gebuchten Unterkünfte in chronologischer Ordnung:

  • Airport Aurora, Keflavik (1 Nacht für 111€): Das einzige Hotel mit direkter Lage am Flughafen Kevlavik und damit ohne Shuttle-Service erreichbar. Das Drei-Sterne-Haus bietet bequeme Betten, große Zimmer und vor allem ein sehr reichhaltiges Frühstücksbuffet mit Ei, Würstchen und Bacon.
  • Bella Apartmens & Rooms, Selfoss (1 Nacht für 119€): Direkt im größeren Ort Selfoss gelegen, werden  (in unmittelbarer Nähe zu Supermarkt und KFC) Hotelzimmer und Apartements angeboten.  Auch hier bot das Hotelzimmer einigen Platz, das Frühstück fiel vergleichsweise reichhaltig aus. Weiterer Pluspunkt: Der hier verlorene Kameraakku wurde kostenlos und kompliziert nach Deutschland nachgeschickt.
  • Lindartún Guesthouse, Lindartún (1 Nacht für 97€): Das Guest House gehört zu einem Bauernhof und liegt ein paar Kilometer von der Ringstraße an einer asphaltierten Straße. Die modernen Zimmer waren gut ausgestattet, erneut überzeugte das Frühstücksbuffet, hier sogar mit Waffeln und frischem Brot. Zudem hätte die Küche des Hauses benutzt werden können.
  • Sólheimahjáleiga Guesthouse, Sólheimahjáleiga (1 Nacht für 119€): Unser Zimmer befand sich im weniger attraktiven Neubau mit unpersönlicher Einrichtung aus IKEA-Möbeln. Auch der Platz war recht stark limitiert, sodass das Preis-Leistungs-Verhältnis nur mit „mittelmäßig“ bewertet werden kann.
  • Hotel Skaftafell, Skaftafell (2 Nächte für je 140€): Das Hotel Skaftafell liegt direkt an der Ringstraße und bot sich als Ausgangsort für verschiedene Touren an, sodass wir es trotz des hohen Preises für gleich zwei Nächte buchten. Das Zimmer hätte ruhig etwas mehr Platz bieten können, dafür waren die Zimmer ruhig nach hinten gelegen und ermöglichten einen kleinen Nordlicht-Ausflug in der Nacht. Das Frühstück hatte frische Brötchen zu bieten und ließ auch sonst kaum Wünsche offen.
  • Hótel Hlíd, Hveragerði (1 Nacht für 85€): Der Preis von nur 85 Euro war als besonders günstig ausgeschildert und tatsächlich fiel das Preis-Leistungs-Verhältnis auch durch das gute Frühstück exzellent aus. Abgesehen davon hat so ein belebtes Hotel mit ständig erreichbarer Rezeption und angeschlossenem Restaurant eben doch seinen Reiz.
  • Airport Aurora, Keflavik (1 Nacht für 106€): Für die letzte Nacht ging es wieder ins Flughafenhotel, wo man uns freundlicherweise ein Dreibettzimmer zuwies (mehr Ablagefläche für die Koffer, juhu). Bei Abflug um 7:50 Uhr war das ab fünf Uhr morgens servierte Frühstücksbuffet verbunden mit dem kurzen Fußweg zum Airport genau das richtige.

Preisniveau: erstaunlich erschwinglich

Island gilt als ein extrem teures Reiseland, was ich nach den Erfahrungen im Herbst nicht so wirklich nachvollziehen kann. Sicherlich gibt es Produktkategorien, die in Island teurer ausfallen als auf dem deutschen Festland, in skandinavischen Ländern wäre ein vergleichbarer Aufenthalt aber auch nicht günstiger ausgefallen. Hotels und Gasthäuser beispielsweise fielen erstaunlich günstig aus und wären in Deutschland kaum günstiger zu haben.

Wer sich nicht nur auf Lebensmittel aus dem Supermarkt und das Frühstücksbuffet verlassen will, kommt an den Tankstellen günstig an warme Hauptspeisen. Für einen (sehr guten) Cheeseburger mitsamt Pommes und Getränk mussten jeweils nur um die 10€ bezahlt werden, Hot Dogs gab es für 2€. Wer noch etwas Budget für zusätzliche Getränke, Obst und eine kleine Nachspeise einplanen will, kommt mit dem Frühstücksbuffet und 15€ pro Tag also gut über die Runden.

Was den Mietwagen angeht, muss vor allem in der Hauptsaison ordentlich Geld gelassen werden. Außerdem ist ein zusätzlicher Versicherungsschutz ratsam, da Schäden durch unbefestigte Straßen oder Sandstürme von den günstigsten Tarifen nicht abgedeckt werden. Selbst wenn beim Mietwagen-Preisvergleich von „Glas-, Reifen-, Unterbodenschutz“ die Rede ist, bedeutet es daher noch lange nicht, dass dieser Schutz wirklich inbegriffen ist. Weitergehende Recherchen zu diesem Thema führten schließlich dazu, dass wir die ursprüngliche Buchung bei Alamo stornierten und mit Geysir die einheimische Wirtschaft unterstützten.

Mitsamt Schotterversicherung und reduzierter Selbstbeteiligung im Schadensfall wurden für eine Woche mit unserem i20 humane 400€ von der Kreditkarte abgebucht. Im Sommer können sich die Preise dafür durchaus verdoppeln.

Typische Auswahl im Supermarkt

In den Supermärkten zeigten sich je nach Produktkategorie starke Preisunterschiede. Import-Güter wie Bananen sind recht günstig zu haben, für einheimische Güter wie Fisch oder belegte Sandwiches muss tiefer in die Tasche gegriffen werden.

Eine kleine Preisliste der Supermarktkette Nettó (Stand Oktober 2016):

  • Günstigstes Toastbrot 770g: 2,67€ (324 ISK)
  • Paprika rot je kg: 4,11€ (499 ISK)
  • Mandarinen je kg: 3,78€ (459 ISK)
  • Bananen je kg: 2,46€ (299 ISK)
  • Wassermelone je kg: 1,31€ (159 ISK)
  • 4er Pack Nestle KitKat Chunky: 2,88€ (349 ISK)
  • Mineralwasser 1,5l: 1,64€ (199 ISK)
  • Milka 100g-Tafel: 1,64€ (199 ISK)
  • Cadbury Schoko-Cookies 150g: 1,64€ (199 ISK)
  • 737-Gramm-Dose Swiss Miss mit Marshmallows:  6,35€ (770 ISK)

Sechs persönliche Highlights

Haifoss

Deutlich abseits de Ringstraße stürzt der Haifoss (siehe Headerbild) über 120 Meter in die Tiefe. Noch beeindruckender als die schiere Höhe der fallenden Wassermassen ist allerdings das Drumherum.  Der Wasserfall selbst ist von schroffen Felsen und Basaltsäulen umgeben, auf der Besuchern zugewandten Seite unterstreichen teils begehbare Klippen die Größenordnungen des Naturschauspiels. Es ergibt sich ein wunderbarer farblicher Kontrast zwischen den grau-braunen Gesteinsformationen und herbstlichen Grüntönen der Graslandschaft, welcher sich durch das gesamte Tal fortsetzt.

Die Anreise gelingt mit einem 4×4 und vor allem ausreichender Unterbodenfreiheit über die Straße 332. Unser i20 bot nichts von beidem, sodass das Auto kann an einer kleinen Gästehütte abgestellt wurde. Ein anderthalbstündiger Fußmarsch auf besagter Schotterpiste führte anschließend ebenso zum Ziel, ist aber nicht zu unterschätzen. Die Schlucht mitsamt Wasserfall zeigt sich erst wenige Meter vor Erreichen des Ziels, bis dahin ist der Weg zwar nicht unspektakulär, doch recht monoton. Es existiert ein kleiner Parkplatz kurz vor dem Ziel, durch die Abgelegenheit des Standortes sind andere Besucher vergleichsweise selten anzutreffen

Bruarfoss

Obwohl der Bruarfoss weniger als zwei Kilometer Luftlinie vom Golden Circle entfernt liegt, gestaltete sich die Anreise recht abenteuerlich. Der Wasserfall liegt unweit eines kleinen Dorfes voller Ferienhäuser, der Kiesweg birgt so einige Schlaglöcher, welche für quer über die Fahrbahn ragende Pfützen sorgten und dem Unterboden das Fürchten lehren. Am Ende der Schotterpiste kann das Auto am Wegesrand geparkt werden, wenige Schritte später zeigt sich eine kleine Brücke. Von dort aus sind es nur noch ein paar hundert Meter zur nächsten Brücke mit Aussicht auf den Fluss, der Trampelpfad war im Oktober allerdings extrem matschig.

Der matschige Trampelpfad zum Bruarfoss

Einmal angekommen, überzeugt der Bruarfoss weniger durch seine Größe als die einmalige Optik. Spätestens beim Blick auf das ungewöhnlich klare, blaue Wasser sind die Probleme der Anfahrt alle vergessen und die umgebende Landschaft tut sein Übriges.

Die häufige Bezeichnung als „schönster Wasserfall Islands“ scheint vollkommen gerechtfertigt und ein Abstecher sollte bei Fahrt auf dem Golden Circle unbedingt eingeplant werden. Ganz so klein wie es das Bild vermuten lässt, ist der Bruarfoss übrigens nicht – das Wasser fällt circa drei Meter in die Tiefe.

Canyon Fjaðrárgljúfur

Aussprechen kann ich den Canyon Fjaðrárgljúfu zwar auch nach dem Besuch nicht, empfehlen aber umso mehr. Auch er liegt weniger als zwei Kilometer Luftlinie von der Ringstraße entfernt, die Anfahrt ist nur über einen Kiesweg möglich. Dieser kann auch mit einem Kleinwagen befahren werden, ist aber trotzdem nicht ganz ohne – ein Video des Straßenzustandes gibt es bei YouTube.

Dadurch (und durch das mäßige Wetter) hielten sich die Besuchermassen selbst in engen Grenzen, allzu viele Parkplätze wären sowieso nicht vorhanden. Dafür existiert ein kleines, modernes und vor allem kostenloses Toilettenhäuschen mit Spendenbox. Der angrenzende Wanderweg führt oberhalb der Schlucht entlang und ermöglicht wunderschöne Aussichten in die Tiefe.

Auf jedem Gesteinsvorsprung werden bei genauem Hinsehen kleine Trampelpfade sichtbar

Da das komplette Areal unter Naturschutz steht, versucht man, die Auswirkungen der Touristen möglichst gering zu halten. Ist ein Weg zu stark plattgetreten, verschiebt man ihn kurzerhand um wenige Meter und füllt die Kahlstellen mit neuen Grasstücken auf. An die ansonsten überall aufgestellten Verbotsschilder scheint sich kaum ein Besucher zu halten und bis es an einer der Klippen zum Unfall kommt, dürfte nur eine Frage der Zeit sein.

Kvernufoss

Und noch ein Wasserfall. Während Bruar- und Haifoss in den Reiseführern doch recht häufig Erwähnung finden, ist der Kvernufoss tatsächlich noch ein waschechter Geheimtipp. Obwohl nur wenige Meter vom legendären Skogafoss entfernt, verirrt sich kaum ein Tourist zu jenem Foss, der mir neben dem Haifoss wohl am längsten in Erinnerung bleiben wird. Ähnlich wie der bekannte Seljalandsfoss beeindruckt auch der kleine Bruder durch eine große, begehbare Höhle hinter den Wassermassen.

Hier lässt es sich auch bei Regen so einige Zeit aushalten und  praktischerweise bleibt zusätzlich das Fotoequipment trocken. Insgesamt zwei Stunden verbrachten wir an diesem Ort, währenddessen begegneten uns nur zwei kleinere Gruppen anderer Besucher. Bei gutem Sommerwetter kann der Ansturm sicher ein bisschen größer sein, die überschaubare Anzahl der Google-Bewertungen unterstreicht aber die geringe Bekanntheit.

Eine Ausschilderung existiert glücklicherweise nicht, das Auto kann beim benachbarten Skogar Museum geparkt werden. Von dort aus sollte noch ein zehnminütiger Fußmarsch zum Ziel eingeplant werden, bei matschigem Boden ist besondere Vorsicht ratsam. Wer beim Skogafoss vorbei kommt, sollte sich den Besuch beim Kvernufoss keinesfalls entgehen lassen und unbedingt ein Weitwinkelobjektiv einpacken.

Unendliche Mooslandschaften

Während wir alle anderen erwähnten Ziele bewusst angesteuert hatten, kreuzten die Mooslandschaften eher zufällig unseren Weg. Überall auf der Insel sorgt das Vulkangestein für besondere Moosformationen in saftigem Grünton, ein Abschnitt der Ringstraße kurz vor dem Fjaðrárgljúfur sorgte aber für besondere Begeisterung.

Zehn Kilometer lang führte die Straße hier durch die Mooshügel und ermöglicht gleichzeitig einen Blick auf die dahinter gelegene Berglandschaft. Ein Aussichtspunkt inmitten des Feldes ermöglicht einen tollen Rundumblick und offenbart die Weitläufigkeit des ganzen Bewuchses.

Flugzeugwrack von Sólheimasandur

Auf der Insel verteilen sich verschiedene abgestürzte Flugzeuge, in den Reiseführern ist durch die vergleichsweise gute Anbindung und besonders hübsche Hintergrundszenerie vor allem das Wrack von Sólheimasandur in den Reiseführern vertreten. Während andere Flieger teilweise als Schafstall missbraucht werden, liegt die im Jahr 1973 notgelandete Douglas DC-3 der US-Army noch immer am Strand, musste aber schon einige Federn lassen.

So fehlen Flügel, Innereien und andere Teile mittlerweile komplett, der Rest des Wracks macht aber noch eine gute Figur. Erreichbar ist er ausschließlich durch einen halbstündigen Fußmarsch vom provisorischen Parkplatz an der Ringstraße und schon lange kein Geheimtipp mehr. Ein Foto ohne andere Touristen im Hintergrund gelingt nur selten, wird durch den pechschwarzen Strand aber umso hübscher.

Schlusswort

Obwohl ich schon mit hohen Erwartungen an die Island-Reise gegangen bin, konnten diese weit übertroffen werden. Es handelt sich um ein wahnsinnig facettenreiches Land mit trotz der geringen Einwohnerdichte sehr guter Infrastruktur. Einzig eine reine Busrundfahrt kann ich mir schwer vorstellen, dazu sind die angefahrenen Attraktionen einfach zu sehr touristisch überlaufen. Die Reise an der Südküste wird sicher nicht mein letzter Besuch der Insel gewesen sein, zumal Stopover-Flugverbindungen auf dem Weg nach Nordamerika regelmäßig recht günstig verfügbar ist.

Impressionen

  • Wow. Toller Bilder *_*

  • Martin Mueller

    Schöner, sehr informativer Bericht. Danke.