Reisebericht: Unter Pinguinen – Eine Woche auf den Falklandinseln

Reisebericht: Unter Pinguinen – Eine Woche auf den Falklandinseln

Als ich vor einem Jahr das erste Mal auf die Falklandinseln aufmerksam wurde, hatte ich nicht damit gerechnet, die britischen Inseln im Südatlantik schon in naher Zukunft auf der Bucket List abhaken zu können. Schließlich zählen die Inseln jährlich nur rund 2.000 Touristen (Tagestouristen vom Kreuzfahrtschiff ausgenommen) und einer von denen zu sein, fühlte sich irgendwie unrealistisch an.

Aufgrund eines sehr guten LATAM-Angebots mit Hin- und Rückflügen für nur 600€ kam es anders und wir unternahmen im März 2019 eine Reise zu den Falklandinseln und nach Patagonien.

Was wir während unserer sieben Tage auf den Falklandinseln so erlebten, erzählt dieser Reisebericht.

Die meisten Touristen reisen über feste Touren auf die Inseln. Einen Individualurlaub zusammenzustellen ist nicht so einfach – aber möglich. Vor allem bereitete es uns Probleme, die ungefähren Kosten einer solchen Reise einzuschätzen. Daher findet ihr in einem separaten Beitrag alle Informationen zu den Kosten eines Falklandinseln-Urlaubs:

Überblick

Abgeschiedener als die Falklandinseln geht es kaum noch. Oft wird schon Feuerland am Südzipfel Südamerikas als „Ende der Welt“ bezeichnet und die Falklandinseln liegen rund 400km davon entfernt mitten im Südatlantik.

„Direkt vor der Antarktis“ also könnte man fast meinen, aber die Karte täuscht. Tatsächlich liegt der Polarkreis noch über 1.000 Kilometer entfernt und die Falklandinseln sind etwa so weit vom Pol entfernt wie Dänemark. Die Durchschnittstemperaturen liegen das ganze Jahr über zwischen 0 und 10 °C, durch den Wind fühlt es sich aber einiges kühler an.

Bei den Falklandinseln handelt sich nämlich um ein britisches Überseegebiet, was an vielen Ecken der Inselgruppe deutlich wird. Rote Doppeldecker und Telefonzellen? Check. Pfund als Währung? Check. God Save the Queen als Nationalhymne? Check.

Und spätestens seit dem Falklandkrieg (Wiki) vor knapp 30 Jahren ist klar: Daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Die Inseln kommen zwar auf gerade einmal 3.000 Einwohner, aufgrund der weiter bestehenden Gefahr einer Invasion durch Argentinien stationieren die Briten zusätzlich noch rund 2.000 zusätzliche Soldaten in Mount Pleasant. Diese große Militärbasis dient gleichzeitig als internationaler Flughafen (auf der Karte als Flugzeug markiert).

Die von uns besuchten Orte auf den Falklandinseln © OpenStreetMap-Mitwirkende

Von dort ging es für uns erst zur Hauptstadt Stanley, dann mit dem Flugzeug weiter nach Saunders Island im Nordwesten und schließlich ebenfalls per Flieger nach Bleaker Island im Südosten der Inselgruppe.

Beste Reisezeit

Die mit Abstand beliebteste Reisezeit für die Falklandinseln ist der südamerikanische Sommer, d.h. Dezember bis März. Dazu trägt sicher das vergleichsweise milde Wetter vorbei, vor allem aber die Aktivität der Wildvögel. Das ganze Jahr über sind einige Königs- und Eselspinguine anzutreffen, Schwarzbrauenalbatrosse, sowie Rockhopper- und Magellanpinguine verbringen den Winter aber in wärmeren Gewessen.

Ab Oktober geht es dann ans Eierlegen und irgendwann im Dezember und Januar gibt es süße Pinguin- und Albatrosbabies zu sehen. 😍 Wer eine Reise auf die Falklandinseln plant, macht sich am besten frühzeitig mit dem Wildtier-Kalender vertraut, zum Beispiel unter folgenden Links:

Ab April ist dann kaum noch etwas los auf den Falklandinseln. Auf Bleaker Island beispielsweise gibt es nur noch Selbstverpflegung und laut Inhabern schauen nur noch ab und an ein paar Einheimische vorbei (Menschen, nicht Pinguine).

Anreise mit LATAM

Aktuell gibt es drei verschiedene Möglichkeiten, von Deutschland auf die Falklandinseln zu reisen, die ich euch hier mitsamt Kosten weiter erläutert habe. Für Touristen kommen eigentlich nur die Flüge mit LATAM in Frage, die von Deutschland aus regulär zwischen 1.200€ und 2.000€ roundtrip kosten.

Alternativ fliegt die Royal Air Force von Großbritannien nach Mount Plesant, verlangt aber über 2.000€ für den Hin- und Rückflug. Da wir im Rahmen eines limitierten Angebots den Hin- und Rückflug von Frankfurt für nur 600€ buchen konnten, war die Entscheidung für LATAM sowieso ein No-Brainer.

Unsere Reise führte zunächst von Frankfurt über Sao Paulo nach Santiago de Chile. Weiter auf die Falklandinseln ging es via Punta Arenas. Da die Flüge nur einmal wöchentlich erfolgten und wir nicht wirklich wussten, was uns erwartet, blieben wir genau eine Woche.

Auf der Rückreise planten wir in Punta Arenas zwei Wochen Aufenthalt ein. Die Zeit nutzten wir für einen kleinen Patagonien-Roadtrip durch Chile und Argentinien, der unter anderem zum Perito-Moreno-Gletscher und dem Nationalpark Torres del Paine führte.

Auf der Karte sah unsere Flugroute dann so aus:

LATAM-Strecke von Frankfurt über Chile auf die Falklandinseln (© openflights.org)

Die LATAM-Flüge waren allesamt eher unspektakulär. Auf Langstrecken sowie den meisten internationalen Flügen wird man kaum einen Unterschied zu anderen Full-Service-Carriern feststellen. Die längste Strecke, Frankfurt – Sao Paulo, flogen wir in einer Boeing 777. Trotz 3-4-3-Bestuhlung mit schmalen Sitzen waren die Flüge auch mit 1,98m erträglich und von den Speisen wurde ich positiv überrascht. Insgesamt ein typisches Langstrecken-Produkt, wie man es auch bei Lufthansa oder KLM erleben würde.

Auf Sao Paulo – Santiago wurde ebenfalls kostenlose, warme Verpflegung geboten, das Highlight war aber die Aussicht auf die die Anden. Die Südamerika-Segmente Santiago – Punta Arenas – Mt. Pleasant waren hingegen wenig spektakulär. Die Flugzeuge sind sehr eng bestuhlt und kostenlos gibt es nur einen Becher Wasser (obwohl eigentlich ein internationaler Flug).

Hinweis für zukünftige Falkland-Reisende: Fluggäste zwischen Santiago und den Falklandinseln müssen in Punta Arenas das Flugzeug kurz verlassen, die chilenische Polizei passieren und dann wieder ins gleiche Flugzeug einsteigen. Dementsprechend erfolgt der Abflug in Santiago auch vom nationalen Terminal.
Leider teilten die Flugbegleiter diese wichtigen Infos nur auf Spanisch mit.

Ankunft & Einreise

Ein Besuch der Falklandinseln ist für Besucher aus Deutschland, Österreich, Deutschland der Schweiz und vielen weiteren Ländern der Welt visumfrei möglich. Eine Übersicht über alle berechtigten Länder gibt es auf Falklands.gov.fk.

Kurz nach dem Abflug in Punta Arenas wurde allen Reisenden eine Landing Card mitsamt Deklaration für den Zoll ausgeteilt – diese muss von allen Reisenden ausgefüllt werden. Es werden die üblichen Daten wie Personalien des Reisenden und Reisedauer abgefragt. Wer bereits benutzte Wanderschuhe, Zelte oder ähnliches einführt, muss diese deklarieren.

Die Besuchsgenehmigung wird bei Ankunft ausgestellt und ist im Anschluss maximal vier Wochen lang gültig. Es ist wohl möglich, eine Verlängerung darüber hinaus zu beantragen, allerdings gibt es dazu kaum Informationen im Internet.

Landeanflug Falklandinseln
Landeanflug auf die Falklandinseln

Mit geschätzt 65% Auslastung war der Airbus A320 nach Mount Pleasant recht gut gefüllt. Wir saßen allerdings recht weit vorne und waren so innerhalb von ca. 15 Minuten mitsamt Gepäck hinter der Einreise.

Im Anschluss mussten wir allerdings sowieso noch eine halbe Stunde warten. Für den Transport vom Flughafen nach Stanley hatten wir vorab einen Bus-Transfer über das Hotel gebucht (£ 18 p.P.) gebucht und dieser wartet natürlich, bis alle Passagiere da sind. Es handelt sich um einen üblichen Reisebus im Flixbus-Stil. Die Fahrt in die Stadt dauert gut eine Stunde und führt dabei teilweise über Schotterstraße.

Ein Tag in Stanley

Ursprünglich wollten wir vom Flughafen Mount Pleasant aus direkt weiter nach Saunders Island fliegen und hatten sogar die Unterkunft dort schon gebucht. Erst als wir dann die passenden Inlandsflüge buchen wollten, erfuhren wir, dass diese am Wunschdatum fast dreimal so teuer wären wie zuvor angegeben. Grund: Möchte man direkt nach der LATAM-Ankunft weiter mit FIGAS fliegen, gibt es nur Direktflüge als „Premium Service“ – und die lässt man sich gut bezahlen.

So fuhren wir also erst eine Nacht nach Stanley, um am nächsten Morgen von dort aus weiter nach Saunders Island zu fliegen. Stanley ist mit über 2.000 Einwohnern die Hauptstadt der Falklandinseln und (abseits der Militärbasis) die einzige Siedlung mit mehr als 50 Einwohnern.

Der Bus setzte uns also direkt vor dem Malvina House Hotel an, das wir über Booking.com für rund 150€ die Nacht gebucht hatten.

Gemessen an europäischen Maßstäben war das kleine Budget-Doppelzimmer deutlich zu teuer. In Stanley findet man aber kaum ein Zimmer für unter 100€ pro Nacht. So ging der Preis mitsamt inkludiertem Frühstücksbuffet noch in Ordnung.

Wenn nicht gerade eine großes Kreuzfahrtschiff vor Ort liegt, wirkt Stanley wie eine typische britische Kleinstadt, in der die Zeit stehen geblieben ist. Einen roten Doppeldeckerbus gibt es ebenso wie knallrote britische Telefonzellen; gefahren wird natürlich auf der linken Straßenseite.

Auf den ganzen Falklandinseln gibt es übrigens nur eine einzige Bankfiliale. In dieser kann man notfalls Geld am Schalter abheben und umtauschen – allerdings nur unter der Woche und mit eingeschränkten Öffnungszeiten. Es empfiehlt sich daher die Mitnahme einiger Bargeldreserven aus Deutschland, bevorzugt in Britischen Pfund.

Währung auf den Falklandinseln ist zwar der Falklandpfund. Er ist aber 1:1 an den Britischen Pfund gekoppelt und daher werden überall auf den Inseln auch Britische Pfund akzeptiert.

In Stanley selbst sind meist auch Zahlungen per Kreditkarte möglich außerhalb der Hauptstadt gilt aber Cash is King. Wir hatten rund £ 600 bar mit dabei, da auch die Unterkunft auf Saunders Island sowie die letzte Nacht in Stanley bar bezahlt werden mussten. Teilweise werden noch US-Dollar akzeptiert, Euro eher selten.

Wenn man so durch die Straßen Stanleys schlendert, stößt man zwischen dem Zeitungsverlag Penguin News und der Mietwagenfirma Falklands4x4 früher oder später auf die Christ Church Cathedral. Die über 100 Jahre alte Kirche ist mit ihrem Bogen aus Walknochen eines der begehrtesten Fotomotive und ziert nicht ohne Grund auch die Rückseite aller Falklandpfund-Scheine.

Christ Church Cathedral Stanley

In der Nähe der Bootsanlegestelle gibt es ein kleines Touristenviertel mit Supermarkt, Tourist-Info, verschiedenen Souvenirläden und natürlich einem Fish-n-Chips-Stand. Wenn ein großes Kreuzfahrtschiff vor Ort liegt, strömen schließlich über 1.000 Passagiere in den Ort.

Ansonsten ist es im Ort recht ruhig – so ruhig, dass es nahezu unmöglich ist, ein Taxi zu finden und an der Straße anzuhalten. Als wir nach einem kurzen Stadtbummel noch den Pinguinen einen Besuch abstatten wollten, suchten wir daher den nächstbesten Shop aus, wo man uns netterweise ein Taxi rief.

Leider war der Taxifahrerin das Ziel Gypsy Cove nicht bekannt und so landeten wir nicht bei der berühmten Pinguin-Bucht sondern an der vier Kilometer entfernten „Surf Bay“. Als wir den Fehler bemerkten, war das Taxi auch schon weg und wir standen – ohne Handyempfang – mitten im nirgendwo.

Der Strand war bedeckt mit Unmengen an Seetang nicht allzu einladend, aber wir machten das beste aus dem Missgeschick und bekamen immerhin die ersten Vögel zu sehen: Einen majestätischen Nachtreiher, mehrere Austernfischer und schließlich noch einen Airbus A400M der Royal Air Force.

Wir hatten die Taxifahrerin zwar um eine Abholung nach 90 Minuten gebeten, dazu kam es allerdings nicht. Vermutlich wartete ein Kollege an der richtigen Gypsy Cove, nur waren wir halt nicht dort. So ging es ungeplant zu Fuß zurück zum Hotel. Das bedeutete über eine Stunde Fußweg, führte uns aber immerhin an einem netten Wegweiser vorbei:

In Stanley besorgten wir noch Chips, Schokolade und Co für die nächsten Tage und nutzten dann das WLAN im Hotel. Mit £ 5 für eine Stunde war es im Vergleich zu den anderen Inseln nicht nur günstiger, sondern auch deutlich zuverlässiger.

Am nächsten Morgen gab es ein typisch britisches Frühstücksbuffet:

Frühstück Malvina House Hotel

Im Anschluss ging es auch schon mit dem Taxi zum Flughafen Stanley. Die zehnminütige Fahrt im Land Rover kostete £ 10 und war somit günstiger als eine vergleichbare Taxifahrt in Deutschland. Es ist also doch nicht alles teuer auf den Falklandinseln. 😉

Mit FIGAS nach Saunders Island

Die Falklandinseln mögen auf der Karte recht klein aussehen, sind es aber mit 250 km West-Ost-Ausdehnung nicht wirklich. Um von einem Ort zum anderen zu gelangen hat sich daher das Flugzeug etabliert.

Flüge werden ausschließlich von der staatlichen Falkland Islands Government Air Service (kurz FIGAS) angeboten. Die Gesellschaft verbindet über 30 Ziele auf den Inseln miteinander.

Von Flughäfen zu sprechen ist nicht angebracht, schließlich gibt es nur in Stanley und Mount Pleasant asphaltierte Landebahnen. Überall sonst wird auf kurzen Graspisten gestartet und gelandet – vorausgesetzt sie wird nicht gerade von Pinguinen oder Schafen gekreuzt.

FIGAS ist keine Linienfluggesellschaft, sondern eher ein Flugtaxi-Service. Daher unterscheidet sich der Ablauf deutlich von regulären Linienflügen:

  1. Per Mail erfragt man die aktuellen FIGAS-Flugpreise (oder orientiert sich grob an der Preisliste in meiner Kostenübersicht)
  2. Die Buchungsanfrage erfolgt telefonisch oder per Mail an operations@figas.gov.fk. Enthalten sein sollten Infos zu:
    • Zu buchende Routen
    • Reisetermin(e)
    • Name und Gewicht der Passagiere
    • Gepäckmenge
      (20 kg inkl. Handgepäck + Personal Item inklusive, jedes weitere kg kostet £ 1,55)
  3. Am Nachmittag vor dem Flug wird händisch der Flugplan zusammengestellt. Er wird dann auf Facebook sowie per Radio und an die Unterkünfte kommuniziert
  4. Checkin-Zeit in Stanley ist 30min vor Abflug
  5. Für Flüge ab Stanley erfolgt die Bezahlung (bar in Pfund oder per Kreditkarte) direkt am Flughafen.
  6. Das Gepäck wird gewogen, im Flugzeug verladen und irgendwann dürfen auch die Passagiere rein

Die Passagierflüge führt man mit fünf Flugzeugen des Typs Britten-Norman BN-2B Islander durch, die maximal einem Piloten und sieben Passagieren Platz bieten. Meist gibt es aber täglich nur zwei bis drei Flüge über die Inseln.

Fun Fact: Es gibt eine eigene Preisliste für die Tiermitnahme – wer einen Pinguin mitnemen möchte, zahlt £ 1,10 je Kilogramm:

Wir waren jedenfalls am Flughafen angekommen, hatten den Checkin hinter uns und mussten dann nur noch kurz warten, bis es los ging. Neben uns waren nur noch zwei andere Passagiere an Bord und so konnten wir nebeneinander in der zweiten Reihe Platz nehmen. Es gibt keinen Gang im Flugzeug, stattdessen steigt man wie im Auto direkt durch eine Tür an der Seite ein.

Ironischerweise war der Beinfreiheit im kleinen Islander besser als auf dem langen LATAM-Flug. Auch zur Decke hin war trotz meines 1,98m langen Körpers genügend Platz und gegen den Fluglärm gibt es Ohropax in der Tür (sagte man uns leider erst auf dem Rückflug).

Durch die tiefe Wolkendecke war die Flughöhe auf dem Weg nach Saunders Island an diesem Tag besonders niedrig. Somit bot sich eine gute Sicht auf die teilweise recht trostlosen Landschaften. Rund 50 Minuten dauerte der Flug, der unter anderem über Port San Carlos und den Falklandsund führte.

Die kürzeste Landebahn auf den Falklandinseln ist gerade einmal 300 Meter lang, auf Saunders Island sind es immerhin doppelt so viel. Durch den starken Nebel tauchte die Piste erst wenige Sekunden vor der Landung im Sichtfeld auf, es verlief aber natürlich alles problemlos. Wir stiegen aus, erhielten unser Gepäck und zwei Minuten später war die VP-FBN auch schon wieder in der Luft.

Zwei Tage auf Saunders Island

Zur Landung auf Saunders Island wurden wir bereits von den Besitzern empfangen, die uns in wenigen Minuten mit dem Land Rover ins Settlement brachten.

Leider waren die beiden Unterkünfte The Neck und Rookery (jeweils direkt bei den Pinguinen) bereits ausgebucht und so mussten wir abseits im Hauptort nächtigen. Die Pinguine erreicht man nur mit einer zweistündigen Wanderung oder man lässt sich mit dem Auto fahren (£ 30 bis £ 70 roundtrip p.P.). Das erklärt auch die vergleichsweise niedrigen Übernachtungskosten im Settlement.

Unterkunft

Die Lage hat aber auch seine Vorteile: Die Unterkunft ist günstiger, es gibt einen WLAN-Hotspot (kostenpflichtig und unzuverlässig) und man befindet sich wenige Meter entfernt vom Insel-Shop. Dort gibt es alles, was man für ein paar Tage Aufenthalt benötigt – vor allem tiefgefrorene Hauptspeisen zur Zubereitung im Backofen der Gemeinschaftsküche.

Die Preise waren mit rund £ 5 für eine Mahlzeit absolut fair und auch geschmacklich gab es nichts auszusetzen. Wir hatten unter anderem Lasagne, Bolognese mit Nudeln und Mac n Cheese probiert – nach langen Wanderungen genau das richtige. Ansonsten gab es im Shop noch viele weitere Produkte wie Baked Beans, Chips, Nudeln, Reis, Thunfisch aus der Dose, Gemüsekonserven, Kekse, Müsli, Cola, Bier und einiges mehr. Verhungern muss hier definitiv niemand.

Ansonsten war unser Zweibettzimmer eher einfach eingerichtet, dafür aber auch mit £ 70 (d.h. £ 35 pro Person) die günstigste Unterkunft auf unserer Reise zu den Falklandinseln. Es gab zwei bequeme Betten und immerhin etwas Ablagefläche. Dass es morgens etwas frisch und nass war im Zimmer war, war verschmerzbar.

Man hält sich ja den Großteil des Tages sowieso im Freien auf und für alles andere außer den Schlaf gibt es einen Gemeinschaftsraum mit Sofa sowie das Esszimmer. Die freundlichen Inhaber boten uns sogar an, statt des gebuchten Zweibettzimmers jeder ein eigenes Zimmer zu nutzen, da eines sowieso frei blieb.

Auf Irrwegen

Da wir schon mittags auf Saunders Island landeten, blieb bis zum Sonnenuntergang noch einige Zeit, endlich die ersten Pinguine zu besuchen. Bis zur Rookery mit einer Kolonie Rockhopper sollte der Fußweg rund anderthalb Stunden dauern und da wir eine detailgetreue Karte der Insel mit hatten, könne ja kaum etwas schiefgehen.

Doch, kann es. Da ein Weg vom Settlement zur Rookery auf der Karte genau eingezeichnet war, fragten wir nicht noch mal nach der genauen Strecke, sondern folgten einfach der Karte, die wir vor Ort sogar noch als gedruckte Version ausgehändigt bekamen.

Blöd nur, dass am eingezeichneten Standort weit und breit kein Abzweig zu sehen war. Daraufhin irrten wir noch etwas über die Grashügel in der Hoffnung, den Weg einfach übersehen zu haben. Immerhin wussten wir ja, wo wir waren und, wo das Ziel liegt.

Eine der Wiesen, über die wir irrten

Nachdem wir einmal über den Hügel liefen und noch einer Jeep-Spur folgten, wurde irgendwann klar, dass das Ziel heute nicht mehr erreichbar sein würde – zumindest nicht, wenn man noch im Hellen zurück sein möchte. Mit den Pinguinen wurde es also wieder nichts, sondern wir übten unfreiwillig die Orientierung auf Saunders Island.

Das hatte mit dem eigentlich geplanten Tagesablauf zwar wenig zu tun, aber trotzdem eine ganz nette Erfahrung. Außerdem trafen wir inmitten der hübschen Hügellandschaft noch auf einige Schafe – nach Pinguinen die zweithäufigsten Bewohner der Falklandinseln.

Die Auflösung unseres Fehlers erhielten wir dann am Abend: Die Karte war schlicht falsch und der Weg Richtung Rookery geht bereits wenige hundert Meter nach der Siedlung Richtung Norden ab – nicht erst nach vier Kilometern wie auf der Karte eingezeichnet.

The Neck – von Pinguinen, Albatrossen und Delfinen

Der nächste Tag stand dann unter deutlich besseren Sternen. So wich die Wolkendecke einem blauen Himmel, der knalliger nicht sein könnte. Wir hatten bereits am Vortag die Jeep-Fahrt zum Neck gebucht und wurden direkt nach dem Frühstück abgeholt. Mit an Bord waren auch zwei Taiwanesen, die ebenfalls im Settlement nächtigten.

Auf dem Weg zum Neck

Die Fahrt zum Neck dauerte rund 45 Minuten und führte anfangs noch über einen Schotterweg, später wurde es deutlich holpriger. Immerhin blieb so genügend Zeit, sich etwas mit den Mitreisenden (erschwert durch die Sprachbarriere) und dem Fahrer zu unterhalten. Irgendwann kamen wir auch auf die Anreise zu sprechen und wurden ganz ungläubig angeschaut, als wir von unserem 600€-Schnäppchen für Tickets ab Europa redeten. Tatsächlich habe ich solch günstige Tickets seitdem auch nicht mehr gesehen.

Erster Blick auf das Neck, Saunders Island

Zu sehen gab es dafür etwas ganz anderes. Es dauerte nicht mehr lange und das „Neck“, eine Verengung der Insel mit großem Sandstrand, war aus der Entfernung zu sehen. Inmitten der Natur steht hier eine kleine Container-Unterkunft für bis zu 8 Personen und es muss eine unglaubliche Erfahrung sein, hier zu übernachten.

Als Tourist ist man am Neck nämlich in guter Gesellschaft. Direkt am Strand hausen tausende Eselspinguine und auch Königspinguine (auf den Falklandinseln vergleichsweise selten) sind anzutreffen. Direkt bei letzteren wurden wir mit dem Auto ausgesetzt. Die majestästichen Königspinguine starten eigentlich nur Löcher in die Luft, dbei sehen die jungen Könige im braunen Federkleid super putzig aus.

Der Bereich um die Königspinguine war übrigens als einziger mit einem Metalldraht für Touristen abgezäunt, ansonsten kann man sich auf der ganzen Insel frei bewegen. Der Zaun hält die Pinguine natürlich nicht davon ab, auch abseits der Schutzzone die Sonne zu genießen – wie diese beiden:

Im Sommer trifft man in der Nähe des Neck sogar vier von fünf Pinguinarten der Falklandinseln an. Für die Magellan-Pinguine musste man sich nur einmal umdrehen. Sie graben kleine Bruthöhlen und halten von dort regelmäßig Ausschau. Ansonsten waren die Magellan-Pinguine eher scheu und verschwanden bei Annäherung auf unter 20 Meter sofort wieder in ihren Höhlen.

Nicht so die Eselspinguine. Von diesen brüten am Neck über 1.000 Paare und man kann sie überhaupt nicht übersehen – erst recht wenn sie gerade in der Mauser sind, d. h. ihre alten Feder abwerfen, und es daher aussieht, als hätte es frisch geschneit. Daher sahen einige der Gentoos auch ziemlich wild aus:

Es ist es verboten, sich den Pinguinen näher als sechs Meter zu nähern. Wenn man sich allerdings ruhig verhält. fürchten sich die Pinguine auch nicht. Wir standen nur wenige Minuten am Strand und schon kamen die kleinen Racker von sich aus angerannt.

Ich könnte stundenlang dabei zu sehen, wie die Pinguine ihr Gefieder pflegen, aus dem Meer angewatschelt kommen oder ihren Eltern hinterherrennen.

Das tun übrigens auch die Skuas (Raubmöwen) und Falklandkarakara (Falkenart) in der Hoffnung auf ein Mittagessen. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs waren die Pinguine aber alle schon fast ausgewachsen, sodass die Raubvögel höchstens noch schwache oder bereits tote Tiere erbeuten.

Irgendwas ging es entlang der steinigen Küste einige hundert Meter weiter zu zu den Schwarzbrauenalbatrossen. Wir mussten nicht lange suchen und stießen direkt auf mehrere Kolonien. Elterntiere waren kaum zu sehen, dafür saßen die die Jungvögel alle noch in ihren Nestern. Sie waren erst rund drei Monate alt und sehen durch das dichte Daunenkleid besonders putzig aus.

Hier ein Blick auf eine der Kolonien mit rund 100 Nestern:

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Noch ein kurzes Stück weiter gesellten sich zu den Albatrossen junge Kormorane mitsamt Eltern sowie die vierte Pinguinart: Die Rockhopper, zu deutsch Felsenpinguine. Der Name kommt nicht von ungefähr, denn sie sind sehr geschickt darin, auch steile Küsten oder eben Felsen hochzuklettern:

Schließlich entschieden wir uns noch für eine längere Wanderung an den Nordzipfel der Insel, zum Elephant Point. Auf dem Weg durch die Eselspinguin-Kolonien war es gar nicht so einfach, sich einen Weg durch die Massen zu bahnen.

Der Weg zum Elephant Point führte im Anschluss größtenteils über Schafs-Trampelpfade durch eine Graslandschaft. Ab und an traute sich mal ein Magellanpinguin aus seiner Höhle. Obwohl für die Nahrungssuche auf das Meer angewiesen, brütet die Spezies teilweise mehrere Kilometer vom Wasser entfernt.

Namensgebend für den Elephant Point sind natürlich nicht die afrikanischen Großsäuger, sondern See-Elefanten. Am Strand lagen mehrere Muttertiere mit Kindern, die männlichen See-Elefanten mit namensgebendem Rüssel waren leider nicht mehr anzutreffen.

Besonders angetan hatte es uns dieses hübsche Jungtier ein paar hundert Meter abseits:

Leider hatten wir uns mit der Zeit ordentlich verschätzt und brauchten rund 2 1/2 Stunden je Richtung. So waren wir erst 45 Minuten zu spät am vereinbarten Treffpunkt für die Rückfahrt, wo man glücklicherweise auf uns wartete. Dann verloren gehen möchte man – so ganz ohne Mobilfunkempfang – besser nicht.

Wir erfuhren, dass der Weiterflug nach Bleaker Island am nächsten Tag mit 16 Uhr angesetzt war und planten so noch ein Fahrt zur Rockhopper-Pinguindusche für den nächsten Tag ein. Nach 36.000 Schritten an nur einem Tag fiel ich dann todmüde ins Bett. An Internetzugriff war sowieso nicht zu denken, denn das Netz hatte ständig Aussetzer.

Aus den Rookery-Plänen für den nächsten Tag wurde nichts. Der Flugplan wurde kurzfristig geändert und es ging bereits um 10 Uhr zurück zum Flugplatz. FIGAS holte uns pünktlich ab, die Flugzeit nach Bleaker Island im Südosten betrug dank zweier Zwischenstopps rund eine Stunde.

Während des Fluges wurde das Wetter zunehmend schlechter und wir gelangten in ein, zwei Regenwolken. So schaukelte es teilweise etwas, aber die Aussicht war dank trotzdem exzellent.

Drei Tage auf Bleaker Island

Auf Bleaker Island waren wir wieder die einzigen ankommenden Gäste und wurden freundlich empfangen. Der Flugplatz besteht auch hier nur aus zwei Graspisten sowie einer Hütte für das Feuerlösch-Equipment mitsamt Stange für den Windsack:

Unterkunft

Mit dem Jeep ging es vorbei an der großen Eselspinguin-Kolonie direkt zu unserer Unterkunft im Cassard’s House.

Das Zimmer dort kostete pro Person £ 110 je Nacht (weitere Preise in der Kostenübersicht) und war somit beileibe kein Schnäppchen. Dafür war der Standard auch einiges höher als auf Saunders Island: Vollpension war inbegriffen, dazu waren die Zimmer deutlich geräumiger und der Standort besser – man erreicht die Pinguin-Kolonien in maximal 40 Minuten zu Fuß.

Zimmer im Cassard’s House auf Bleaker Island

Glücklicherweise hatte man trotz der frühen Ankunft gegen Mittag schon ein Zimmer für uns frei und kurz darauf sogar ein Lunch-Paket für uns gepackt. Dieses war Teil der Vollpension und beinhaltete jeden Tag ein frisches (!) Sandwich , ein Stück Obst, einen Muffin, einen Schokoriegel und einen Saft aus dem Tetrapak:

Lunchpaket Bleaker Island

Ebenfalls inbegriffen: Ein English Breakfast – auf Wunsch zubereitet wird und somit eher kleine Portionen. Dazu waren Toast und Müsli in rauen Mengen verfügbar.

Das Highlight war das abendliche Drei-Gänge-Menü. Dieses war vergleichsweise gut sättigend, stets schmackhaft und nach langem, kaltem Aufenthalt bei den Pinguinen genau das richtige. Beispielhaft das Menü am ersten von drei Tagen auf Bleaker Island:

  • Vorspeise: Gefüllte Teigtasche mit Frischkäse (sehr gut)
  • Hauptgericht: Gefülltes Schweinefilet mit Polenta und Brokkoli (gut)
  • Dessert: Mousse Au Chocolat aus weißer Schokolade (gut)

Getränke (außer Wasser) kosten hier extra. Die Preise sind aber moderat und reichen von £ 0,85 für eine Dose Cola über £ 2,00 für einen kleinen Gin bis hin zu £ 9,95 für eine große Flasche Merlot.

Der Strom wird auf Bleaker Island übrigens aus verschiedenen Quellen gewonnen. Es gibt zwei Windräder, ein paar Solarzellen und einen großen Dieselgenerator.

Leider hatte das Wetter auf Bleaker Island nicht allzu gut mitgespielt und es regnete jeden Morgen für ein paar Stunden. Diese Zeit verbrachten wir meist im gemütlichen Wohnzimmer mit angeschlossenem Wintergarten und unterhielten uns mit den anderen Gästen (Cassard’s House bietet insgesamt vier Zimmer).

Tausende Kormorane

Glücklicherweise ist das Wetter auf den Falklandinseln eher wechselhaft und nach ein paar Stunden Niederschlag (teilweise sogar Graupel) war stets wieder Sonnenschein angesagt. So ging es am Tag der Ankunft direkt zu einer der größten Vogelkolonien der Insel. Im (südamerikanischen) Sommer brüten hier nämlich tausende Königskormorane.

Und auch wenn die Lehm-Nester fast ausnahmslos verlassen waren, waren die Vögel noch immer vor Ort. Anzutreffen waren die Kormorane überall auf der Insel. Eine riesige Kolonie konnte man aufgrund des Gestanks gar nicht verfehlen, zumal sie meist nur 5 Minuten vom Hotel entfernt zu finden war.

Auch von den Raubmöwen blieb die Aktivität nicht unbemerkt. Während sich Pinguine durch ihr ausgeprägtes Gruppenverhalten aber gut gegen die Skuas wehren können, sieht es bei Kormoranen allerdings anders aus. Ein ausgeprägtes Abwehrverhalten gibt es nicht und so erledigen Skuas auch gerne mal ausgewachsene Kormorane.

Tanzende Rockhopper

Die Rockhopper sind regelmäßige Gäste auf Bleaker Island und auch diesen Sommer waren wieder einige Felsenpinguine vor Ort – ganz zu unserem Glück, denn sie waren auf Bleaker Island deutlich aktiver als zuvor auf Saunders.

Einige hüpften den steilen Weg vom Meer zur Plattform hoch, ein anderer war gerade am Tanzen und einen anderen erwischten wir bei seinen Gymnastikübungen:

Insgesamt waren zum Zeitpunkt unseres Besuchs rund 200 Rockhopper zwischen meterhohen Grasbüscheln anzutreffen:

Blick auf die Rockhopper-Kolonie auf Bleaker Island

Der Pinguin-Strand

Das Highlight waren aber auch auf Bleaker Island die geliebten Eselspinguine. Rund 170.000 Eselspinguine (ein Drittel der weltweiten Bestände) brüten auf den Falklandinseln, auf Bleaker Island sind es nach aktueller Zählung etwa 4.000.

Surf Bay, Bleaker Island mit typisch dichter Bewölkung

Am Strand der Sandy Bay (macht seinem Namen alle Ehre) haben sich mehrere hundert von ihnen eingefunden. Hier planschen sie durch seichtes Wasser, „verstecken“ sich zwischen den Pflanzen oder liegen einfach im Sand rum.

Von dem Treiben der Eselspinguine konnten wir einfach nicht genug bekommen und verbrachten hier den Großteil der drei Tage auf Bleaker Island (zumindest dann, wenn es nicht regnete).

Die Interaktion zwischen den etwa drei Monate alten jungen Pinguinen und ihren Elterntieren war immer spannend zu verfolgen. Sie leisteten sich regelrechte Verfolgungsjagden, bei denen die Eltern auch gerne mal auf den Bauch fielen und dann auf allen vieren weiterkrochen.

Am Ende solcher Rennen stand meist entweder die Fütterung der jungen oder Mutter bzw. Vater machten sich auf ins Meer, um weitere Fische zu fangen.

Der Einstieg ins Meer wurde stellenweise durch dicken Seetang erschwert – gar nicht so einfach für die rund 80 cm großen Pinguine:

Auch wenn sie mit den Rockhoppern nicht direkt verwandt sind: Von Stein zu Stein hüpfen können Gentoos ebenfalls:

Außerdem sind sie mit bis zu 30 km/h die schnellsten Schwimmer unter den Pinguinen. Sie kehrten immer in Wellen von der Nahrungssuche zurück an den Strand und stellten dabei zudem ihre Sprungkünste unter Beweis:

Erst kurz vor dem Urlaub auf den Falklandinseln hatte ich mir die kleine Videokamera Osmo Pocket zugelegt. Auf dem Stativ montiert war sie ideal zum Filmen der Pinguine. Zu Menschen halten sie meist doch eine gewisse Distanz, die Kamera wurde hingegen direkt inspiziert:

Einer der Pinguine probierte es sogar mit einem Geschmackstest – hier in Videoform:

https://www.youtube.com/watch?v=V0ctgGg3cwo&t=6s

Glücklicherweise hat die Kamera diesen unbeschadet überstanden und konnte weiter das Geschehen in der Kolonie erfassen. Ich platzierte die Osmo Pocket auf dem Stativ, konnte sie per Smartphone aus sicherer Entfernung steuern und wartete dann ab, was passiert.

https://www.youtube.com/watch?v=Seg4FtpRgPQ&t=23s

Das ging so lange gut, bis eine Gruppe Pinguine bei ihrer Verfolgungsjagd das Stativ umschmiss. Die Kamera hat glücklicherweise auch das überlebt.

Ups… die Kamera im Sand

Der einsetzende Wetterumschwung sorgte dann noch für einen schönen Tagesabschluss: Regenbogen mit perfekter Kulisse und eindrucksvoller Sonnenuntergang.

Der Gentoo Highway

Es gibt zwar keine Schnellstraßen auf den Falklandinseln, Bleaker Island kennt trotzdem einen Highway. So wird hier eine knapp einen Kilometer lange Verbindung von der Ost- zur Westseite der Insel bezeichnet. Von Autos wird sie allerdings nicht befahren. Wie der Name es schon vermuten lässt, frequentieren ihn stattdessen die Eselspinguine – und zwar tausende täglich.

Ab und zu mischen sich auch Magellanpinguine dazwischen und werden dann kritisch beäugt:

Am anderen Ende des Gentoo Highway gibt es eine kleine Bucht mit Steinstrand. Dort verbrachten wir ein, zwei Stunden und erlebten dabei einen der berüchtigten Wetterumschwünge: Zuerst strahlender Sonnenschein, dann ein kurzer Platzregen und schließlich wieder Sonne.

Kaum hatten wir uns hingesetzt, kamen auch schon die ersten Eselspinguine vorbei. Sie näherten sich uns bis auf ca. einen Meter und zogen nach ein paar Minuten wieder ab. Besonders neugierig sind die jungen Vögel. Sie sind zwar schon fast ausgewachsen, aber gut daran zu erkennen, dass der weiße Fleck am Kopf noch nicht ganz bis zum Auge reicht.

Fotogene Eselspinguine auf Erkundungstour – im Hintergrund die Regenwolken

Die Gentoos hatten auch hier in der Bucht ihren Spaß. Einige planschten regelrecht im Wasser und kümmerten sich dabei um die Gefiederpflege. Andere waren nach der langen Nahrungssuche sichtlich erschöpft:

Hier auf der Westseite von Bleaker Island ging es insgesamt deutlich ruhiger zu als am großen Sandstrand. So blieb auch genug Zeit für ein Fotoshooting eines Kaiserpinguins – allerdings nur als Plüsch-Exemplar, das mit mir schon die halbe Welt bereist hat. 🐧 Die nächste echte Kolonie findet man rund 1.000 Kilometer entfernt in der Antarktis.

Weitere Tiere auf Bleaker Island

Das beste an Bleaker Island waren definitiv die Pinguine. Aber auch einige andere Vögel gibt es hier zu sehen.

Neben den Königskormoranen trafen wir beispielsweise noch auf ein paar Felsenscharben, eine weitere Kormoranart. Auch Magellangänse sind überall auf den Falklandinseln zu finden, selbst im hohen Tussockgras:

Auch die Dampfschiffenten (Steamer Ducks) und Austernfischer leben in friedlicher Koexistenz mit den Pinguinen:

Auf Bleaker Island gibt es außerdem einen kleinen Tümpel, der von weiteren verschiedenen Vogelarten frequentiert wird – wie dieser Schopfenten-Familie:

Ein letzter Tag Stanley – Ausflug zur Gypsy Cove

Am vorletzten Tag wurden wir wieder von FIGAS abgeholt. Aus Kostengründen und für den Fall, dass Flüge wegen bspw. Nebel ausfallen, verbrachen wir die letzte Nacht erneut in Stanley. Beim Flug lief alles wie gehabt und im Gegensatz zu den kleineren Inseln gibt es am Flughafen Stanley sogar eine kleine, einzigartige Gepäckausgabe.

Als Unterkunft wählten wir diesmal Shorty’s Motel. Und auch wenn man gerade im britischen Territorium für der Küste Argentiniens unterwegs ist, fühlt man sich hier wie in den USA. Geparkt wird direkt vorm Motelzimmer, die Zimmer sehen aus wie in Nordamerika und direkt an das Motel schließt sich ein amerikanisches Diner an. Leider war das inbegriffene Frühstück auch sehr amerikanisch – es besteht nur aus Müsli mit Milch.

Der Rückflug von Bleaker Island erfolgte schon gegen Mittag und so blieb uns noch ein halber Tag in Stanley. Wir versuchten erneut, mit dem Taxi zur Gypsy Cove zu gelangen und waren diesmal erfolgreich.

Blick auf die Gypsy Cove bei Stanley

Nur zehn Minuten mit dem Auto von Stanley entfernt, trifft man hier auf einige Magellanpinguine. Nachdem wir sie vorher fast ausschließlich an Land gesehen hatte, war es schön, sie zum Abschluss noch einmal im Meer zu beobachten.

Der Strand selbst ist übrigens nicht begehbar. Dort liegen immer noch Minen vom Falklandkrieg und vermutlich möchte man auch einfach die Pinguine schützen. Zum Baden bietet sich das Wetter aber sowieso ganzjährig nicht an. 😉

Nach dem Besuch der Gypsy Cove befürchteten wir schon wieder, den kompletten Rückweg zu Fuß zurücklegen zu müssen. Nachden zur vereinbarten Zeit weit und breit kein Auto in Sicht war, begannen wir direkt mit dem Heimweg ins Motel. Dabei bot sich immerhin ein guter Blick auf das fast 100 Jahre alte Wrack der Lady Elizabeth.

Eine halbe Stunde nach der vereinbarten Zeit ließ sich dann doch noch das Taxi blicken. Deutsche Pünktlichkeit man also nicht erwarten – aber warum sollte man auch? Es lebt sich hier ja, als wäre die Zeit einige Jahre stehen geblieben.

Am nächsten Morgen lag dann gerade eines der letzten Kreuzfahrtschiffe der Saison vor Ort. Ein Schiff der Hurtigruten stoppte hier auf dem Weg in die Antarktis und Stanley wurde plötzlich von hunderten Personen in roten Jacken bevölkert. Teilweise ankern solche kleinen Kreuzfahrtschiffe sogar vor Saunders oder Bleaker Island – zum Glück konnten wir dort die Ruhe genießen.

Abflug und Rückreise

Wie auf dem Hinweg ging es mit dem Reisebus von Falklands Islands Tours & Travel von Stanley zurück zum LATAM-Flug ab Mount Pleasant. Das Ticket hatten wir erst einen Tag zuvor vor Ort im F.I.T.T-Büro gekauft.

Flughafentransfer Mt Pleasant Stanley
Flughafen-Shuttle von / nach Mt. Pleasant

Der Abflug in Stanley sollte gegen 15 Uhr erfolgen, drei Stunden vorher setzte sich ein Konvoy aus unserem Reisebus und ein paar Minivans Richtung Flughafen in Bewegung. Dort erfolgte in einem kleinen Passagierterminal der Check-in, es mussten £ 25 Abfluggebühr (nur Bargeld in Pfund, Euro oder US-Dollar) bezahlt werden und es ging durch die Sicherheitskontrolle.

Überrascht war ich davon, im Abflugbereich einen gut bestückten Kiosk vorzufinden. Hier werden Wasserflaschen für £ 1 oder drei große Beutel M&Ms für £ 10 verkauft – günstiger als in manch einem Duty-Free-Shop in Europa und eine gute Gelegenheit, die letzten Falklandpfund loszuwerden. Vorausgesetzt, man möchte sie nicht (wie wir) als Souvenir mitnehmen.

Kleine Anekdote dazu: An der Tourist-Information in Stanley fragte ich, ob ich das Wechselgeld möglichst als Münzen zurückbekommen könnte. Daraufhin durchsuchte die Mitarbeiterin dort sämtliches Kleingeld in der Kasse nach besonders schönen Münzen und schließlich erhielt ich für zwei britische Scheine in einen ganzen Sack voller glänzender Falklandpfund. Sogar ein Unbeteiligter beteiligte sich dabei. Britische Gastfreundlichkeit. ❤

Eselspinguin, Magellangans, Schwarzbrauenalbatros und weitere Tiere schmücken die Falklandpfund-Münzen

Die Auslastung des LATAM-Fluges war diesmal vergleichsweise gering, der Airbus nur zu rund einem Drittel gefüllt. Wir stiegen dann bereits in Punta Arenas aus und setzten die Reise in Patagonien fort.

Internet

Die Falklandinseln sind definitiv nicht der richtige Ort, um 24/7 online zu sein. Während das WLAN im Malvina House Hotel noch erstaunlich günstig und zuverlässig war, konnte man das auf den anderen Inseln nicht behaupten.

An den meisten Orten gibt es aber nur WLAN direkt vom Monopolisten Sure und das ist teuer. Wir hatten auf Saunders Island eine WLAN-Karte besorgt, die zum Preis von £ 10 für rund 90 Minuten Internetzugang ausreichte. Auf Saunders Island war das WLAN nur sporadisch verfügbar (am letzten Tag gar nicht mehr), also mehr oder weniger unbenutzbar.

Etwas besser sah es auf Bleaker Island aus – auch dort musste man aber beispielsweise zum Teilen von Fotos auf Twitter mehrere Minuten warten, was natürlich schnell am Guthaben zehrt.

Immerhin: So eine karte für die Sure-Hotspots gilt auf den gesamten Falklandinseln und die Nutzungsdauer kann beliebig unterbrochen werden. Wer mag, kann also zumindest täglich seine E-Mails checken und mit der Außenwelt in Kontakt bleiben. An datenintensive Tätigkeiten oder gar produktives Arbeiten ist nicht zu denken.

Schlusswort

Am Flughafen trafen wir auf eine Mitarbeiterin der Tourismusbehörde, die eine kleine Umfrage unter den Abreisenden durchführte. Sie fragte mich, was denn der Grund für die Reise gewesen sei und meine Antwort war kurz: Pinguine.

Ich wusste vor Beginn der Reise ehrlich gesagt nicht ganz, was uns dort erwarten würde. Die Möglichkeit, mit nur wenigen anderen Gästen und tausenden Pinguinen zusammen auf einer abgelegenen Insel zu übernachten, reichte aber schon aus, um mich zu überzeugen und ich würde es jederzeit wieder tun.

Klar, die Inseln haben bis auf Wildlife und Einsamkeit wenig zu bieten, aber genau daher sind sie ein einzigartiger Ort für Naturliebhaber. Dabei sprechen sie nicht nur Leute an, die gerne bei Minusgeraden im Zelt schlafen – wer von den Kosten nicht abgeschreckt wird, kann durchaus mit europäischem 4-Sterne-Komfort rechnen. Und teurer als beispielsweise ein Südsee-Urlaub in Bora-Bora sind die Falklandinseln auch dann nicht.

Von daher: Daumen hoch für Urlaub auf den Falklandinseln – auch für Alleinreisende. Einige Unterkünfte verlangen keinen Single-Zuschlag und mit den Pinguinen ist man ja sowieso stets in guter Gesellschaft.

Vermutlich wird es nicht mein letzter Urlaub auf den Falklandinseln gewesen sein. Eine Woche hat gereicht, um einen guten Ersteindruck zu bekommen, aber nächstes mal würde ich dann doch länger bleiben.

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